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Frischer Rückenwind für die Vulkaneifel

Die Eifel-Zeitung sprach mit Alfred Bauer, Geschäftsführer Wirtschaftsförderungsgesellschaft(WfG) Vulkaneifel und Manager der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Vulkaneifel über die EU-Förderprogramm LEADER,welches unsere Region auch in den nächsten Jahren weiterhin unterstützen wird.

EAZ: Die LAG Vulkaneifel wurde als Leaderregion von 2007 bis 2013 wieder anerkannt. Was bedeutet dies für die Vulkaneifel?
Alfred Bauer: Das bedeutet zunächst eine hohe Anerkennung für die eingereichten Ideen und Projektansätze, mit denen in der Region etwas bewegt werden kann für die Bevölkerung, die Natur, die Kultur, den Tourismus und das wirtschaftliche Wohl. Es gibt der Region auch eine Stärkung für das in den vorangegangenen Leaderperioden Erreichte und Rückenwind für das, was die Region einzubringen bereit ist: nämlich eine Zukunft zu gestalten mit Kopf, Herz und Hand, wie es aus der Bewerbung und dem Selbstverständnis der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) zu entnehmen ist. Mit dieser Anerkennung ist erfreulicherweise auch zusätzliches „besonderes“ Fördergeld von rd. 1,9 Mio. Euro verbunden, mit dem die angedachten Pilotprojekte weiterentwickelt und umgesetzt werden können. Zusätzlich kann die Region in den nächsten Jahren im Rahmen verschiedener Wettbewerbe weitere Mittel für besonders innovative Konzepte erhalten. Beurteilt man die Wertschöpfungseffekte aus der letzten Leaderperiode 2000-2006, wird jeder Euro an Fördergeld Investitionen um mehr als das Dreifache auslösen. Dies bedeutet auch für den Zeitraum 2007 bis 2013 eine beachtliche Wertschöpfung durch Aufträge an das örtliche Handwerk, aber auch für Beschäftigung und Einkommen in der Region.

EAZ: Wie hat die Region die Wiederanerkennung geschafft?
Alfred Bauer: Die Erfahrungen aus der vergangenen Leaderperiode waren nutzvoller Wegweiser für eine neue Bewerbung. Bereits in der Förderperiode 2000 bis 2006 haben Projektträger den Nutzen einer gebietsübergreifenden und transnationalen Zusammenarbeit erkannt. Insoweit fiel es den Akteuren nicht schwer, aufbauend auf dieser Erkenntnis die Weichen für die neue Leaderperiode zu stellen. Es stand also ein gemeinsamer Wille im Vordergrund, die bisherige regionale Partnerschaft fortzusetzen. Schon zu einem frühen Zeitpunkt wurden in einem Zukunftsworkshop im Januar 2006 vier Arbeitsgruppen mit über 60 Akteuren aus den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz, Tourismus, Jugend, Frauen, Kirchen, Wirtschaft und Kommunen konstituiert. Hier wurden über 120 Projektideen entwickelt. Mit diesem Ideenpool hat sich die LAG unter Vorsitz von Landrat Heinz Onnertz im Mai 2007 für die Entwicklungsstrategie mit dem Leitbild „Leben, arbeiten und erholen, wo die Natur Ereignis ist“ entschieden. Als Oberziel wurde die Entwicklung einer zukunftsfähigen ländlichen Vorbildregion als integrierter Natur-, Lebensund Wirtschaftsraum festgelegt. Mit diesen Zielvorstellungen ging sie in das erfolgreiche Bewerbungsverfahren und überzeugte damit die Jury.


EAZ: Wie setzt sich die Leaderregion Vulkaneifel geografisch zusammen?
Alfred Bauer: Das LAG–Gebiet ist durch seine hohe Konzentration und reiche Vielfalt an geologischen Besonderheiten geprägt. Geologische Besonderheiten haben dem Gebiet ein unverwechselbares Profil als das „Land der Maare und Vulkane“ gegeben. Das Gebiet umfasst 195 Ortschaften aus 10 Verbandsgemeinden und die verbandsfreie Stadt Wittlich in den Landkreisen Bernkastel-Wittlich, Cochem- Zell und Vulkaneifel. Rund 139.000 Einwohner leben im neuen LAG-Gebiet, dies entspricht einer Einwohnerdichte von 83 EW je qkm. Im Vergleich zur ehemaligen Gebietskulisse wurde das aktuelle LAG-Gebiet um die Verbandsgemeinden Kaisersesch, Kelberg und Ulmen sowie 20 Ortschaften der bisher berücksichtigten Verbandsgemeinden erweitert.


EAZ: Welche Handlungsfelder und Maßnahmenbereiche werden im Einzelnen gefördert?
Alfred Bauer: Ausgehend von dem Leitbild „Leben, arbeiten und erholen, wo die Natur Ereignis ist“ sieht die LAG drei zentrale Handlungsfelder, in denen die zukünftige Entwicklung der Region im Schwerpunkt angepackt werden soll. Es sind dies im Einzelnen: Werte der Vulkaneifel wahren und entwickeln. Dabei zielen wir auf den Schutz, die Pflege und die Inwertsetzung der einzigartigen natürlichen Potenziale unserer Region, die das größte natürliche Kapital und das zentrale Alleinstellungsmerkmal darstellen. Das zweite Handlungsfeld „Arbeitschancen für die Vulkaneifel schaffen“ verfolgt das Ziel, ein ausreichendes Angebot an wohnortnahen Arbeitsplätzen und Fachkräften für die Menschen und Unternehmen in der Vulkaneifel bereit zu stellen. Wir glauben, Arbeit schaffen heißt Zukunft schaffen. Im dritten Handlungsfeld „Lebensräume der Vulkaneifel zukunftsfähig machen“ werden Aktivitäten erwartet, die darauf abzielen, die Attraktivität der ländlichen Region Vulkaneifel als Wohn- und Lebensraum langfristig zu sichern und zu erhöhen. Dazu zählen u.a. die Aufrechterhaltung intakter Dorfgemeinschaften, die Attraktivität des Ortsbildes und das Identitäts- und Heimatgefühl der Menschen in unserer Region.


EAZ: Stellt die neue Leaderförderung höhere Anforderungen an die Projektideen?
Alfred Bauer: Ja, die Anforderungen sind höher geworden. Die Leaderregionen sollen als sogenannte Impulsregionen oder Probierwerkstätten beispielhaft für andere ländliche Regionen national wie auch im europäischen Kontext wirken. Deshalb müssen alle Projekte einen hohen Innovations- und Modellcharakter nachweisen. Nach den von der LAG festgelegten Bewertungskriterien verstehen wir hierunter Projekte mit integrierten, vernetzten Ansätzen und eine gebietsübergreifende und/oder transnationale Zusammenarbeit. Im Ergebnis muss etwas Neues für das LAG-Gebiet erprobt werden mit der Möglichkeit der Übertragung auf andere Regionen. Deshalb reden wir von besonderem Fördergeld, was einen besonderen Einsatz erfordert, um damit wirklich neue Lösungen für das LAG-Gebiet selbst und andere Regionen zu bringen.


EAZ: Welche Projektansätze gibt es bereits im Sinne dieser hohen Anforderungen?
Alfred Bauer: Die Akteure des Leadergebietes haben bereits zu einem frühen Zeitpunkt damit begonnen, Projektideen zu entwickeln, von denen eine Vielzahl als sogenannte Schlüsselprojekte auf den Weg gebracht wurden bzw. noch werden. Diese Projekte stellen aus der Sicht der Arbeitsgruppen und der LAG fachlich herausgehobene Ideen mit dem geforderten Innovationsgehalt dar. Es sind dies beispielsweise die Bewahrung des geologischen Erbes mit internationaler Wertigkeit, eine Europäische Route der Vulkane, historische Waldbewirtschaftungsmaßnahmen an der Niederwaldstraße, der Aufbau einer dezentralen Holzenergielogistik Vulkaneifel, das UnternehmerLand Vulkaneifel, die Einrichtung eines Besucher-Informationssystems entlang der Eifelquerbahn, Aufbau eines gesundheitsbezogenen Tourismus, Aufbau eines Studentennetzwerkes Eifel unter dem Motto „Karriere in der Eifel“, Eifel-Dorf der Zukunft und vieles mehr. Allerdings verschließt sich die LAG nicht guten weiteren Projekten, die den hohen Anspruch an Leader zwar nicht erreichen, jedoch sinnvolle und wichtige Beiträge in der Umsetzung des integrierten lokalen Entwicklungskonzeptes erwarten lassen.


EAZ: Wie können Interessierte ihre Ideen und Vorschläge auf den Weg bringen?
Alfred Bauer: Für alle Interessierten ist zunächst Ansprechpartner die LAG Geschäftsstelle bei der Kreisverwaltung Vulkaneifel, Telefon-Nr. 06592/933-200. Sie hat die Aufgabe des sogenannten Regionalmanagements, d.h. sie ist für die operative Umsetzung des lokalen Entwicklungskonzeptes (kurz genannt: LILE) verantwortlich. Dazu gehört als Hauptaufgabe die Information, Begleitung und Beratung von Projektträgern mit der Beratung zur finanziellen Förderung. Es ist geradezu erwünscht, dass sich weitere Ideen in der Region auftun, denn der Leader-Prozess ist ein fortlaufendes und für alle Bürgerinnen
und Bürger offenes Verfahren sowohl hinsichtlich der Einbringung von Projektideen wie auch der Mitwirkung in den Arbeitsausschüssen und der Lokalen Aktionsgruppe. Die Leader-Idee lässt sich nur mit und nicht gegen die Menschen vor Ort verwirklichen.

 

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