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Lokale Akteure sprudeln nur so vor Ideen

Alfred Bauer ist seit 2004 Leader-Manager der Lokalen Aktionsgruppe Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz. Der 60-jährige Leiter der Wirtschafts- und Strukturförderung der Kreisverwaltung Vulkaneifel trägt mit seiner langjährigen Berufserfahrung viel zur Umsetzung der Leaderziele in der Region bei. Im Förderzeitraum 2007-2013 hat er bisher 46 Projekte mit rund 7,2 Millionnen Euro Investitionsvolumen zur Bewilligung verholfen.

Herr Bauer, was ist das Besondere für Sie an Leader im Vergleich zu anderen Fördertöpfen?

Leader hebt sich deutlich von den Standartprogrammen ab. Die Entwicklungsarbeit nehmen öffentliche und private Akteure aus der Region in der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) als Entscheidungsgremium selbst in die Hand. Bevor das Fördergeld fließt, muss die Region für sich ein Entwicklungskonzept mit einer Strategie erarbeiten. Dabei gilt es, die jeweiligen regionalen Besonderheiten zu entdecken, Stärken und Schwächen zu identifizieren und auf dieser Grundlage Projekte umzusetzen. Dabei sind neue Ideen gefragt. Lokale Akteure sprudeln nur so vor Ideen, die nicht immer in Standartverfahren passen. Durch die breite Bürgerbeteiligung orientiert sich der Fördermitteleinsatz außerdem stärker an en örtlichen Bedürfnissen. Dies alles zeigt: Leader ist eine gute Methode, die kreativen und innovativen Potenziale einer Region aufzugreifen und nachhaltig in Wert zu setzen.

Was bewirkt Leader darüber hinaus?

Für mich ist die gebietsübrgreifende und transnationale Zusammenarbeit ein wichtiger Aspekt, also dass sich die Akteure von zwei oder mehr Regionen vernetzen und Projekte gemeinsam über die Grenzen der eigenen Region hinweg realisieren. Der offene Ansatz von Leader unterstützt gezielt solche Projekte. Warum nicht von anderen lernen? Man kann durchaus von den Erfahrungen der Nachbarregionen oder anderer Länder profitieren.

Was wäre denn ganz konkret ohne Leader in Ihrer Region nicht passiert?

Beispielsweise hat eine aus der LAG entstandene Arbeitsgruppe 2010 die Einrichtung eines Regionalforums "Streuobst - ein Stück Eifelkultur" initiiert. Die Initiative möchte die Streuobstwiesen als landschaftsprägendes Kulturgut der Eifel erhalten und baut eine Wertschöpfungskette zur Verwertung und Vermarktung des Obstes in der Region auf. Aus dem Wettbewerb "235 gute Gründe zum Leben und Arbeiten - mittendrin im Dorf" sind viele kreative Projekte entstanden, die das Dorfleben attraktiver machen. Auch das Projekt "WEGE - Wandel erfolgreich gestalten" mit seiner demografie-sensiblen Entwicklungsstrategie ist ein herausragendes Schlüsselprojekt. Ebenso das interkommunale Projekt "Gesundland Vulkaneifel", das hauptsächlich den Aufbau eines Kompetenznetzwerkes und die Gründung einer Genossenschaftbeinhaltet, um neue Wege zur Etablierung eines Gesundheitstourismus zu gehen.

Was wünschen Sie sich für die kommende Förderperiode?

Ich wäre zufrieden, wenn das bisher sehr gemeinschaftliche und vernetzte Denken und Handeln in unserer LAG auch für die kommende Leaderperiode so erhalten bliebe. Denn die Menschen vor Ort wissen am besten, wie die vielfältigen Potenziale der Vulkaneifel zum Wohle der Menschen, die dort leben, arbeiten und sich erholen, in Wert gesetzt werden können. Ich würde mich auch freuen, wenn die unbaren Leistungen der Kommunen und die Eigenleistungen der ehrenamtlich Tätigen wieder förderbar wären. Dies würde das bürgerschaftliche Engagement in den Regionen weiter stärken.

Was unterscheidet Ihre Leaderregion von anderen?

Die bewegte Erdgeschichte, deren "Folgen" sich in der Vulkaneifel in einer europäisch einzigartigen Vielfalt und Dichte zeigen. In der Vulkaneifel gibt es zum Beispiel den jüngsten Vulkan Deutschland mit dem Ulmener Maar. Mit 350 vulkanischen Ausbruchzentren und zehn wassergefüllten, kreisrunden Vulkankrater, den Maaren, haben wir ein unverwechselbares Profil. Weite Teile des Leadergebietes gehören zum Natur- und Geopark Vulkaneifel sowie zu Deutschlands bedeutendsten Geotopen. Dieses "Natur-Ereignis" wollen die Menschen der Region als Natur-, Lebens- und Wirtschaftsraum weiter in Wert setzen. Unser Leitbild ist: Leben, arbeiten und erholen, wo die Natur Ereignis ist.

Das Gespräch führte Juliane Mante
Das Interview aus der Zeitschrift "LandInForm" können Sie sich nachfolgend herunterladen: Interview Alfred Bauer, LandInForm
Quelle: LandInForm, Magazin für Ländliche Räume, 02.2012

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